Green Automation heißt eine neue Initiative, die der Öffentlichkeit erstmals auf der Automatica 2010 nahegebracht werden soll. Mit ihr will die Automatisierungsbranche demonstrieren, dass die Vision einer „grünen“ Welt ohne moderne Automatisierungstechnik nicht Realität werden kann.
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| Thilo Brodtmann, Geschäftsführer des VDMA-Fachverbandes Robotik + Automation: „Die Hersteller von Automatisierungstechnik erschließen ihren Kunden erhebliche Einsparpotenziale.“ Bild: Kroh |
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Kurs halten in nach wie vor schwerer See, heißt die Devise im deutschen Maschinenbau. Denn die Nachwirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise sind bei weiten noch nicht ausgestanden. Trotzdem solle man Zukunftsvertrauen, Selbstbewusstsein und Optimismus nicht verlieren, mahnte Dr. Manfred Wittenstein, Präsident des Maschinenbauverbandes VDMA, in seiner Eröffnungsrede anlässlich der 10. Karlsruher Arbeitsgespräche Produktionsforschung.

„Produktion in Deutschland hat Zukunft“ lautete das Motto dieser vom Bundesforschungsministerium (BMBF) organisierten Spitzenveranstaltung – und das völlig zu Recht. „Denn auch in Zukunft werden unsere Technologien gefragt sein“, zeigte sich Wittenstein überzeugt. Schließlich blieben knappe Ressourcen und der Klimawandel weiterhin riesige Herausforderungen, für die der deutsche Maschinenbau die passenden Lösungen habe.
Roboter sollen nachhaltiger werden
Auch die deutsche Robotik- und Automationsbranche arbeitet intensiv daran, ihre Produkte und Produktion nachhaltiger zu gestalten. So hat die Messe Automatica zusammen mit dem VDMA-Fachverband Robotik + Automation sowie dem Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) in Stuttgart die neue Gemeinschaftsinitiative „Green Automation“ ins Leben gerufen. Mit dieser Gemeinschaftsinitiative Automatisierungsbranche nimmt sie ihre umweltpolitische Verantwortung wahr und will die Vision einer „grünen“ Welt mitgestalten.
Dabei geht es keineswegs nur um die umweltfreundliche Auslegung von Produktionsprozessen – etwa durch eine Steigerung von Energie- und Materialeffizienz, sondern auch darum, ressourcenschonenden Technologien durch Einsatz von Robotik und Automation am Markt zum Durchbruch zu verhelfen. Auf der Automatica 2010 wird die Initiative erstmals vorgestellt und soll, wie es heißt, den Beitrag der Automatisierungstechnologien für nachhaltiges Wirtschaften in all seinen Facetten zeigen.
Automatica bündelt grüne Fertigungstechnik
Dr. Michael Wenzel, Geschäftsführer von Reis Robotics im fränkischen Obernburg und Vorsitzender des VDMA-Fachverbandes Robotik + Automation, erklärt: „In Politik und Gesellschaft ist wachsendes Interesse festzustellen, nicht länger auf Kosten künftiger Generationen zu leben und den Ressourcenverbrauch – ohne Abstriche an der Lebensqualität machen zu müssen – spürbar und nachhaltig zu senken. Diese Entwicklung fordert die Investitionsgüterindustrie – insbesondere die Robotik und Automation – heraus, die fertigungstechnischen Voraussetzungen für grüne Konsumgüter zu schaffen. Wir stellen bereits am Markt entsprechende Nachfrage fest und so ist es zu begrüßen, dass die internationale Fachmesse Automatica grüne Fertigungstechnologie derart gebündelt darstellen wird.“

Erst durch Automatisierungstechnik wird eine umweltverträgliche und energiesparendere Produktion möglich. Dazu Dr. Wenzel: „Ein Punkt ist sicherlich die Energieeffizienz und die ökonomisch-ökologische Betrachtung der Roboter und der Systemkomponenten im engeren Sinne.“
Automatisierung bietet Potenzial für Energieeffizienz
Beispiele für ressourcenoptimal gestaltete Automatisierungstechnik sind Pneumatikkomponenten mit minimalem Druckluftverbrauch, Greifer, Werkzeuge, ja ganze Roboter in Leichtbautechnik oder Software zur Planung energieoptimierter Bahnen für Robotersysteme. Viele Hersteller bieten längst Lösungen zur Ressourcenoptimierung, Energieeffizienz, Reduzierung der Schadstoffemission oder Energierückgewinnung an.
Dabei ist es wichtig, dass sämtliche Betrachtungen bezüglich der Ressourceneffizienz über den gesamten Lebenszyklus eines Produktes beziehungsweise einer Technologie durchgeführt werden – ein Aspekt, der ebenfalls auf der Automatica verdeutlicht werden soll.

Energieeffizient zu automatisieren ist für Wilfried Eberhardt, Managing Director Europe beim Augsburger Roboterhersteller Kuka, nur die eine Seite von „Green Automation“. Häufig werde darunter „nur“ verstanden, dass es um die Effizienz von Motoren, Getrieben oder ganzer Maschinen gehe, so der Kuka-Manager. „Man muss aber deutlich sehen, dass wir mithilfe intelligenter Automatisierung Produkte herstellen, die es uns erlauben, Energie zu sparen. So braucht ein Auto mit Aluminiumkarosserie spezielle Fügeverfahren und entsprechende Automatisierung, denn manuell geht da gar nicht mehr. In der Solarindustrie ist das ganz ähnlich. Man muss den Begriff Green Automation dahingehend erweitern, dass es hier um Techniken geht, die notwendig sind, um intelligente und energiesparende Produkte herzustellen“, betont Eberhardt.
Automatisierung als „Enabler“ grüner Technologien
Hier sieht die Branche ihre wirtschaftliche und ökologische Verantwortung. „Ob das jetzt Solar, Wind oder andere regenerative Energien sind – diese Bereiche kommen nur mit Unterstützung von Automatisierungstechnik in einen wirtschaftlichen Break-even-Bereich. Das Stichwort Green Automation muss meines Erachtens auch in diesem Kontext verstanden werden“, argumentiert Roboterexperte Wenzel.
Nach Einschätzung von Thilo Brodtmann, Geschäftsführer des VDMA-Fachverbandes Robotik + Automation, werden durch Automatisierung „grüne Technologien“ erst möglich: „Die Hersteller von Automatisierungstechnik erschließen ihren Kunden erhebliche Einsparpotenziale und sind mit ihrer Engineering-Kompetenz die Enabler neuartiger Lösungen, die grüne Produkte überhaupt erst möglich und bezahlbar machen.“
Durch steigende Energiepreise und knapper werdende Ressourcen steigt die Nachfrage nach energiesparenden Technologien. Ebenso bringen veränderte wirtschaftliche und gesetzliche Rahmenbedingungen Bewegung in den Markt. Moderne Automatisierungssysteme ermöglichen den breiten Einsatz von umweltverträglichen Produkten und Technologien wie der Photovoltaik.
Automatisierung bringt Photovoltaik voran
Beispielsweise konnten durch den Einsatz von Robotern, Montagetechnik und industrieller Bildverarbeitung die Herstellkosten von Solarzellen bereits substanziell gesenkt werden – bei gleichzeitiger Erhöhung der Qualität. Die Automatisierungstechnik bringt die Photovoltaik ihrem Ziel näher, Strom zu wettbewerbsfähigen Konditionen zu erzeugen.

Umgekehrt ist es für die Einkäufer von Automatisierungstechnik wichtig, Produktionsmittel zu erwerben, die weniger Energie verbrauchen und die Umwelt in ihrem Betrieb nicht belasten. Das Fraunhofer-IPA sieht ein erhebliches Potenzial im Umfeld der „Green Automation“: „Automatisierungstechnik ist ein wesentlicher Faktor für die wettbewerbsfähige Produktion von grünen Produkten, wie beispielsweise Solaranlagen, Energiespeichern oder Elektrofahrzeugen“, so Prof. Alexander Verl, Leiter des Fraunhofer-IPA. „Aber auch die Automatisierungstechnik als Ressourcenverbraucher muss beachtet werden. Hier sind erhebliche Potenziale sowohl bei Komponenten und Maschinen als auch auf der Leitebene realisierbar.“

Mit der Initiative „Green Automation“ wird die Automatica erstmals dieses Thema systematisch aufbereiten. So wird es eine „Green-Automation“-Besucherführung geben, um Interessenten und Anbieter themenspezifisch zusammenzuführen. Ergänzend wird eine Sonderschau die erfolgreichsten Beispiele für „grüne“ Produkte vorstellen. Auf dem Automatica-Forum wird an allen Tagen „Green Automation“ ein zentraler Aspekt bei den Fragestellungen sein.
Automatica 2010 macht „Green Automation“ erlebbar
„Die ganzen Visionen von grünem Strom aus der Wüste, von E-Mobility oder von Leichtbau – sie alle wären wirtschaftlich nicht durchführbar ohne den Einsatz von Robotik und Automation. Das ist ein weiterer Aspekt, den wir mit unserer Kampagne Green Automation beleuchten wollen. Wir werden unsere Aussteller systematisch in die Kampagne involvieren und neben den vielen dezentralen Antworten der Aussteller auch mit ein paar zentralen Antworten den Besuchern verdeutlichen, worum es uns geht“, erläutert Anja Schneider, Projektleiterin der Automatica.
Die Neue Messe München sieht sich als idealen Veranstaltungsort für das Thema Nachhaltigkeit: Sie ist das erste Messegelände weltweit, das mit dem Zertifikat „Energieeffizientes Unternehmen“ vom TÜV Süd ausgezeichnet wurde.
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